Eine krankheit wie ein gedicht
teilanimierter dokumentarfilm
85 min, 2026
Logline
Während einer Psychose begeht mein Vater eine Straftat und kommt in den Maßregelvollzug - und während ich mir wünsche, dass er für immer in der Forensik bleibt, rückt seine Freilassung immer näher. Jetzt liegt es an mir, mich darauf vorzubereiten. Denn was ich eigentlich will, ist ein Vater, vor dem ich keine Angst mehr haben muss.
Synopis
„Drogeninduzierte, chronifizierte schizoaffektive Psychose des manischen Formenkreises, Typ polytox, kein Morphintyp“ – so lautet die Diagnose meines Vaters.
Übersetzt heißt das: Er durchlebt immer wieder denselben Kreislauf. Psychosen reißen ihn aus der Realität, Klinikaufenthalte holen ihn zurück, danach folgt die depressive Scham. Während dieser Psychosen ist er unberechenbar und lebt seine Gewalt offen aus, auch gegen die Menschen in seinem Umfeld.
Für mich ist er jedoch nicht nur ein Täter, dessen Taten ich zutiefst verurteile, sondern auch ein Mensch, den ich liebe und ein Künstler, den ich bewundere. In Fotografien, Malereien und Skulpturen hat er die Welt seiner Psychosen festgehalten. Und auch unsere Beziehung findet ihren Ausdruck in der Kunst: in einem gemeinsamen Comicbuch, dessen Seiten wir abwechselnd mit Zeichnungen füllen. Er kämpft gegen sich selbst, gegen seine Krankheit und gegen ein System. Und ich an seiner Seite.
Regie-kommentar
Während andere Väter Anwälte oder Lehrer sind, baut mein Vater in der forensischen Psychiatrie an einem Dinosaurier. Weil er als Gefahr für sich und andere gilt – auch für meine Mutter und mich – wurde ihm vor fünf Jahren die Freiheit entzogen. Früher hieß es, er sei im Urlaub, später war es die Psychiatrie und heute ist es die Forensik. Eine Karriere entgegen der Norm.
Trotzdem ist er nicht nur ein kranker Mann, sondern auch mein Vater. Wir teilen nicht nur die gleiche Nase, sondern auch denselben Humor und haben ein enges Verhältnis, das trotz der Wut und Angst über all die Jahre geblieben ist. Wir trinken viel zu starken Tee, schicken uns selbst gezeichnete Comics hin und her oder sitzen nebeneinander auf dem Sofa wie früher. Manchmal interviewe ich ihn mit einem Stock als Mikrofon, manchmal sagt er kluge Sätze genau in dem Moment, in dem ich nicht auf Aufnahme gedrückt habe. Und gerade weil wir uns so gut verstehen, würde ich mir wünschen, dass er für immer in der Forensik bleibt - an einem geschützten Ort, der auf ihn und damit auch auf uns Acht gibt.
Der Film ist mein Versuch, ihm neu zu begegnen – nicht nur als Patienten, sondern als meinem Vater. Die Kamera schafft Abstand und bringt uns gleichzeitig näher zusammen. Zwischen Angst, Zärtlichkeit und absurden Momenten entsteht eine Geschichte, die wir gemeinsam erzählen:
Die Geschichte eines kranken Verbrechers, der langsam wieder zu meinem Vater wird – und von einer Tochter, die hofft, irgendwann keine Angst mehr vor ihm haben zu müssen..
Der mehrfache Publikumspreisgewinner EINE KRANKHEIT WIE EIN GEDICHT erzählt mit Wärme, Humor und großer visueller Kraft von umgekehrten Eltern-Kind-Rollen, der Poesie im Chaos und dem Durchdringen einer Krankheit.
Maxa Zoller über den Film:
”Jelena Ilićs Vater wurde wegen schwerer Körperverletzung verurteilt und verbringt viele Jahre in der forensischen Psychiatrie. Schippenweise Schutt birgt die Regisseurin aus seiner Wohnung; darunter seine künstlerisch inszenierten Selbstportraits. Dieses Bild zieht sich durch den gesamten Film, der nicht nur viel Persönliches aufarbeitet, sondern auch ein psychologisch reifer, vor kreativen Einfällen sprudelnder Debütfilm ist: Es geht um umgekehrte Eltern-Kind-Rollen, um die Poesie im Chaos und das Durchdringen (zu) einer Krankheit.
Ilić transportiert die gestörte Welt ihres psychotisch kranken Vaters durch die gemeinsamen und von ihr animierten Zeichnungen: Bis heute teilen sich die beiden ein Comicbuch, dessen Seiten sie abwechselnd mit Zeichnungen füllen. »Andere haben gemeinsame Abendessen, und wir haben unser Buch«, sagt Ilić selbstbewusst, aber nicht ohne einen melancholischen Unterton. Der Impuls, das Erlebte mit Kunst zu kommunizieren, verweist deutlich auf diese schon in der Kindheit aufgesaugte bildliche Form der Kommunikation. Aber diese Ausflüge in eine andere Ebene und die damit einhergehende Situationskomik bereichern das Genre des autobiografischen Dokumentarfilms – eine in den letzten Jahren stark verbreitete Sujetwahl bei jungen Filmemacher*innen – auf vielschichtige Weise. Der Film besticht durch seinen erfrischend punkigen Unterton. Die expressionistische Malerei des Vaters, angesiedelt irgendwo zwischen Art brut und Neue Wilde, prägt nämlich auch die ästhetische Heimat der Tochter, die der cleanen digitalen Welt eine gute Portion trotzigen post-post-Grunge-DIY entgegensetzt.”
Buch & Regie: Jelena Ilic
Produktion: MADE IN GERMANY
Bildgestaltung und Ton: Martin Paret, Jelena Ilić
Montage: Sandra Brandl
Animation: Hugfilms - Alina Cyranek + Falk Schuster, Tim Romanowsky, Alex Schmidt, Julian Quitsch
Musik: Antonio de Luca, Caroline Kox
Sounddesign: Sebastian Schmid
Mischung: Andreas Vorwerk
Verleih: Mindjazz Pictures
Eine Produktion der MADE IN GERMANY Filmproduktion in Koproduktion mit dem ZDF Das kleine Fernsehspiel.
Dieser Film wurde unterstützt von dem BKM, der Film- und Medienstiftung NRW, Mitteldeutsche Medienförderung sowie dem Kuratorium junger Film.
Kofinanzierung durch METRIX Media und Arkanum Pictures.
FESTIVALS
2026 - Filmfestival Max Ophüls Preis
2026 - Internationales Frauenfilmfestival
2026 - DokKa Filmfestival
2026 - Neisse Film Festival
2026 - Kinofest Lünen
AUSZEICHNUNGEN/STIPENDIEN
2026 - Neisse Filmfestival - Bester Dokumentarfilm
2026 - DokKa Filmfestival - Förderpreis
2026 - Internationales Frauenfilmfestival Dortmund+Köln - Publikumspreis
2026 - Filmfestival Max Ophüls Preis - Publikumspreis in der Kategorie Dokumentarfilm
2025 - Special Sauce Award - Ecourage Film Talents
2022 - Best Pitch Award - Sehsüchte Festival
2022 - Stipendium des Filmbüro NW
2021 - Stoffentwicklungspreis des Bundesfestival Junger Film
2020 - Into the Wild Mentoring
INTERVIEWS
SR - Festivalfunk im Rahmen des Filmfestivals Max Ophüls Preis
Deutschlandfunk Kultur - Mein Vater, seine Krankheit und ich – eine Filmemacherin erzählt
WDR Westart - Jelena Ilić über ihren Film "Eine Krankheit wie ein Gedicht"